Taiwan - ein kurzer Überblick – (Stand: April 2005)
| I. Reisen | II.Verhaltensregeln | III. Die Bevölkerung | IV. Der Alltag |
Taiwan
wartet mit einigen Überraschungen auf Sie - Seien Sie herzlich willkommen
Die
Insel Taiwan bietet sonnige Strände, reich bewaldete Berge, aber auch
verschlafene Landflecken. Tempel und Gedenkstätten aus chinesischer ebenso wie
japanischer Hinterlassenschaft wechseln einander ab mit Hochhäusern in Städten,
deren betriebsame Geschäftigkeit bis zum Anbruch des Morgens nicht zur Ruhe
kommt. Überwältigende Feste, luxuriös gestaltete heiße Quellenbäder,
ausgesuchte kulinarische Köstlichkeiten – alles ist hier zu
Taiwans
topographischer und kultureller Abwechslungsreichtum und sein vibrierendes
Wirtschaftsleben machen es zu einer ersten Adresse gleichermaßen für den
Touristen wie den Geschäftsreisenden. Und weil Taiwan, wenn auch nur in grober
Schätzung, ungefähr gleich weit entfernt liegt von Japan und Korea im Norden,
den Philippinen im Süden und dem chinesischen Festland im Westen, stellt es
eine hervorragende Startbasis für weitere Reisen in Ostasien dar.
Spricht man von Taiwan, denkt alle Welt an Fabrikerzeugnisse und nicht enden wollende diplomatische Auseinandersetzungen, dabei ist das wirkliche Taiwan noch völlig unerforscht. Schauen Sie doch einmal kurz herein – es gibt viel zu
1. Währung und Devisen
Die offizielle Währung dTaiwans ist der Neue Taiwan Dollar
(NT$). Münzen werden als Prägungen zu 1, 5, 10, 50 ausgegeben, Banknoten im
Wert von 50, 100, 200, 500, 1000 und 2000.
Obwohl sich die Wechselkurse von Tag zu Tag ändern, kann der Wert des NT auf ungefähr 1/34 des US-Dollars oder 1/40 des Euros festgelegt werden. (Stand April 2005)
US-Dollar und andere ausländische Währungen werden im allgemeinen an fast keinem Ort in Taiwan akzeptiert – deshalb sollten Sie bei der Einreise zumindest einen kleinen Betrag aus Ihrer Reisekasse in NT-Dollar getauscht haben. Falls Sie ausländische Währung einer Sorte mit sich führen, die in Asien nicht üblich ist, sollten sie den Umtausch unbedingt an einer der zahlreichen Banken am Flughafen vornehmen, die in der Regel eine größere Auswahl an Währungen bedienen können als andere Banken in Taiwan. Im allgemeinen aber werden Sie auch innerhalb des Landes ihr ausländisches Geld bei den meisten Banken und in den größeren Hotels wechseln können.
Die gängigen Kreditkarten sind auch in Taiwan gültig und werden von immer mehr Restaurants, Geschäften und anderen Einrichtungen akzeptiert. Aber es gibt immer noch eine recht große Zahl an kleineren Läden und Restaurants, vor allem außerhalb der großen Städte, die sie nicht annehmen. Nehmen Sie deshalb immer ein wenig Bargeld mit.
In Geschäften und Restaurants sind Reiseschecks kein geeignetes Zahlungsmittel, werden aber in den größeren Hotels gern angenommen. Bei Banken können sie auch gegen NT$ eingetauscht werden.
2. Bankwese
Ein
gültiger Reisepaß genügt, um auch als ausländischer Besucher in Taiwan ein
Bankkonto eröffnen zu können. Ausländer, die im Besitz einer
Aufenthaltsgenehmigung sind, können auch Depots für längerfristige
Geldanlagen einrichten.
Die
meisten Banken stellen Bankkarten für ihre Geldautomaten an Ort und Stelle aus,
mit denen dann auch an jedem anderen Geldautomaten in Taiwan, einschließlich
denen der Post, Bargeld abgehoben werden kann.
Internationaler Geldtransfer von und nach Taiwan ist eine ebenso selbstverständliche Dienstleistung wie das Einlösen von Reiseschecks.
3. Einreise
Bei
der Einreise dürfen Sie persönliche Waren im Gegenwert von bis zu 6000 NT$ und
Gold oder Silber im Gegenwert von bis zu 5000 US$ einführen. Was über diesem
Betrag liegt, kann vom Zoll bis zu Ihrer Abreise in Verwahrung genommen werden.
Bei
der Einreise müssen Sie eine Zollerklärung für jede von Ihnen mitgeführte
ausländische Währung abgeben. Bei der Ausreise dürfen maximal 5000 US$ in
Bargeld ausgeführt werden, es sei denn, Sie haben bei der Einreise eine
Zollerklärung über einen höheren Betrag abgegeben.
Waffen,
Munition und Drogen sind verboten. Die Drogengesetze sind nicht eben mild und
werden in Zukunft noch verschärft.
Falls
Sie aus einem Land mit Gelbfieber kommen, müssen Sie sich vor der Einreise
impfen lassen.
Lesen Sie alle Zollbestimmungen vor Antritt Ihrer Reise sorgfältig und aufmerksam durch.
4. Visa und Aufenthaltsgenehmigungen
Zur Zeit dürfen österreichische Staatsbürger nach Taiwan für einen Aufenthalt von
30 Tagen
Die Besucher
müssen Tickets für die Weiterreise und Visa für
ihren nächsten Bestimmungsort vorweisen.
Für eine
Aufenthalt von länger als 30 Tagen können Sie ein Visum vor Reiseantritt in
Taipei Wirtschafts- und Kulturbüro in Wien, Wagramer Strasse 19/11.OG, 1220
Wien, beantragen. Vergessen Sie aber nicht, sich möglichst frühzeitig und
gründlich zu erkundigen, welche Dokumente genau Sie für Ihren Visumantrag
benötigen. Die Bestimmungen dafür sind nach Person und Ort verschieden. In jedem
Fall werden Sie zumindest einen gültigen Reisepaß und zwei neuere Paßphotos von
sich benötigen.
Touristenvisa
werden, je nach den Gegebenheiten, für unterschiedlich lange Aufenthaltsdauer,
in der Regel aber für entweder 30 oder 60 Tage ausgestellt. In manchen Fällen,
so etwa wenn Sie Chinesisch, Musik oder Kunst an einem staatlich anerkanntem
Institut studieren, können Touristenvisa zweimal bis zu einer Höchstdauer von
180 Tagen verlängert werden.
In
manchen Fällen werden Visa für die mehrfache Einreise gewährt, so etwa Geschäftsleuten,
die regelmäßig einreisen wollen.
Eine
Aufenthaltsgenehmigung (ARC) wird Personen, die nicht die Nationalität Taiwans besitzen, gewährt, wenn sie die gesetzlichen Bestimmungen für
eine langfristigen Aufenthalt in Taiwan erfüllen. Wenn Sie für ein reguläres
Studium, aus beruflichen Gründen oder als Ehegatte oder Angehöriger eines Bürgers
Taiwans einreisen bzw. mit ihrem Verwandten in Taiwan leben möchten,
müssen Sie eine ARC beantragen.
Falls Sie den Nachweis für die Erfüllung der gesetzlichen Bestimmungen noch im Ausland erbringen, erhalten Sie zunächst ein Einreisevisum und können Ihr Antragsverfahren für eine ARC dann nach Ihrer Ankunft in Taiwan zu Ende führen.
5.
Gesundheit
Eine Reise nach Taiwan bringt kaum gesundheitliche Risiken mit sich. Tollwut
oder die in anderen Teilen Südostasiens endemisch auftretende Malaria sind gänzlich
unbekannt.
Allerdings kann man sich, vor allem in ländlichen Gegenden, aufgrund
mangelhafter sanitärer Verhältnisse mit Hepatitis A infizieren. Achten Sie
deshalb darauf, daß Eßgeschirr und –besteck wirklich sauber sind, und
trinken Sie besser nicht direkt aus Flaschen und Dosen.
Daneben gibt es auch Hepatitis B und C, doch konnte ihre Verbreitung in der jüngeren
Generation durch vorbeugende Impfschutzmaßnahmen eingeschränkt werden. Beide
werden durch Bluttransfusion oder Geschlechtsverkehr übertragen. Auch andere
venerische Krankheiten und HIV, das zu AIDS führen kann, sind in Taiwan nicht
unbekannt, kommen aber nur in geringen Ausmaß vor. Helfen Sie mit, daß es
dabei bleibt, und benutzen Sie nur desinfizierte Nadeln und praktizieren Sie nur
safer sex.
Die Japanische B-Enzephalitis , eine von Moskitos übertragene Viruskrankheit,
kommt in geringer Zahl vor. Auch von einzelnen, in den Waldgebieten im Norden
Taiwans aufgetretenen Fällen des ebenfalls durch Moskitos übertragenen
Dengue-Fieber wurde in den letzten paar Jahren berichtet, doch ist das
Infektionsrisiko bei beiden Krankheiten sehr gering. Trotzdem sollten Sie sich
vor Ihrer Reise über Möglichkeiten des Impfschutzes beraten lassen und dabei
auch überprüfen, ob andere Impfungen noch wirksamen Schutz bieten.
Sollten Sie eine Impfung benötigen, so gibt es dafür auch in Taiwan eine ganze Anzahl guter Krankenhäuser. Und wer alternative Medizin bevorzugt, möchte vielleicht eine der vielen nach der traditionellen chinesischen Medizin arbeitenden Kliniken auf der Insel konsultieren.
6.
Führerschein
Nach den
geltenden gesetzlichen Bestimmungen dürfen ausländische Besucher Auto fahren,
wenn Sie zusammen mit ihrem nationalen Führerschein einen internationalen Führerschein
vorweisen können.
Falls Sie für längere Zeit bleiben wollen, brauchen sie eine taiwanesische
Lizenz, die Sie, sofern Sie über einen gültigen internationalen Führerschein
verfügen, ohne irgendwelche Prüfungen bekommen (Sie brauchen dazu noch ihren
nationalen Führerschein, den Nachweis über einen Sehtest von einer amtlich
anerkannten Klinik und sechs übliche Paßphotos). Falls Sie keinen
internationalen Führerschein besitzen, können einen in englischer Sprache
abgefaßten Test zur Erlangung einer taiwanesischen Lizenz ablegen.
7.
Sprache
Zwei
verschiedene chinesische Dialekte – Mandarin und Taiwanesisch – sind in
Taiwan geläufig. Selbst wenn Sie Taiwan nur für kurze Zeit besuchen, wird es
Ihren Aufenthalt enorm bereichern, ein paar wenige, aber wesentliche Wendungen
in Mandarin zu kennen.
Chinesisch zu lernen ist keine leichte Aufgabe, wird aber reich belohnt. Taiwan
bedient sich der traditionellen, komplexen Form der chinesischen Schriftzeichen
(nicht, wie Festlandchina, der vereinfachten). Obwohl in geradezu verblüffender
Weise bis ins Detail durchgearbeitet, ist die komplexe Form zugleich die weitaus
schönere, und nachdem bis Ende der 40er jahre dieses Jahrhunderts alles mit den
Zeichen der komplexen Form geschrieben wurde, ist sie für einen ernsthaften
Studenten die gleichsam natürliche Wahl. Lassen Sie sich aber nicht einschüchtern
– Alltagschinesisch ist nicht besonders schwierig, und die Grammatik sogar
bemerkenswert einfach.
Der taiwanesische Dialekt bringt Sie in engere Verbindung mit dem lokalen
Kolorit, und gerade wenn es ihr Wunsch ist, herumzukommen und mit Leuten zu
sprechen, sollten Sie sich vielleicht für sein Studium entscheiden. Obendrein
steht es dem klassischen Chinesisch viel näher und bietet sich als Einstieg für
weitergehende, spätere Studien in klassischer chinesischer Literatur geradezu
an. Aber Vorsicht: Seine Aussprache ist um vieles schwieriger als Mandarin!
Für
diejenigen, die nicht ganz so bereit sind, sich ins Abenteuer Chinesisch zu stürzen,
gibt es das Englische. An den Volksschulen gelehrt, den Teilnehmern von
Nachhilfekursen am Abend hingebungsvoll eingepaukt und von Menschen aller
Schichten und Altersgruppen gesprochen, entwickelt sich Englisch zügig zur
dritten Sprache Taiwans. Besonders in den größeren Städten kann man mit
Englisch bequem durchkommen.
Gleich an zweiter Beliebtheitsstelle der in Taiwan gebräuchlichen Fremdsprachen
kommt Japanisch. Von der älteren Generation haben viele Japanisch in der Schule
gelernt und sprechen es fließend, aber auch bei den übrigen Altersgruppen ist
es äußerst beliebt und bei der Jugend geradezu eine Modesprache. Obwohl es
nicht ganz so weit verbreitet ist wie Englisch, wird jemand, der Japanisch
spricht, höchstwahrscheinlich überall auf der Insel einen Gesprächspartner
finden.
Darüber hinaus gibt es eine kleine Zahl an Taiwanesen, die auch noch andere
westliche Sprachen wie Deutsch, Französisch und Spanisch beherrschen. Doch ist
es eher unwahrscheinlich, einem von ihnen zu begegnen, so daß man sich mit
diesen Sprachen kaum wird verständlich machen können.
Englisch ist zwar die bevorzugte Fremdsprache, wird aber deshalb noch nicht an
jedem Ort gesprochen. Wer jenseits der üblichen Wege durch Taiwan reist, sollte
sich in Geduld üben, wenn er mit Englisch allein durchkommen will. Ein guter
Sprachführer in Mandarin ist sehr zu empfehlen, und trotzdem gilt natürlich:
nichts ist so gut, wie den lokale Sprache zu erlernen.
Wenn Sie zum Studium nach Taiwan kommen oder während Ihres Aufenthaltes
Mandarin oder Taiwanesisch lernen wollen, sind die folgenden Schulen sicher
vertrauenswürdige Adressen:
| * | The
Taipei Language Institute Das TLI ist eine der ältesten Sprachschulen in Taiwan mit ausgezeichnetem Ruf. Sie bietet Unterricht sowohl in Mandarin wie in Taiwanesisch an und hat spezielle Kurse in allgemeiner Konversation, für Studienbewerber und Geschäftsleute. Das Institut unterhält Niederlassungen in den Geschäftsvierteln von Taipeh, Tienmu und Kaohsiung. |
| * | The
Mandarin Training Center, National Taiwan Normal University Auf dem Campus der Pädagogischen Universität von Taipeh gelegen, wurde diese Einrichtung lange Zeit von Studenten Übersee bevorzugt. Die Kurse schließen mit einem Zertifikat ab und vermitteln eine solide Grundlage für Lesen und Schreiben. Außerdem gibt es Fortgeschrittenenkurse für klassisches Chinesisch. |
| * | Mandarin
Daily News Ursprünglich eine Zeitung für Kinder, bietet sie auch Sprachkurse für Ausländer, die auf dem Lehrplan für die Kinderkurse beruhen. Für Anfänger ohne jede Vorkenntnis sind diese eine wertvolle Einstiegshilfe. |
8. Gewichte und Maßstäbe in Taiwan
* Längen
| Taiwan
System Market System Metrisches System English System |
1
ts'un (inch) 0.90909 ts'un 3.0303 cm 1.193 in. |
1
ch'ih (foot) (=10 ts'un) 0.90909 ch'ih 0.30303 m 0.99419 ft |
1.1
ts'un 1 ts'un (inch) (=10 fen) 3.3333 cm 1.3123 in. |
| Taiwan
System Market System Metrisches System English System |
1.1
ch'ih 1 ch'ih (=10 ts'un) 0.33333 m 1.0936 ft. |
11
ch'ih 1 chang (=10 ch'ih) 3.3333 m 3.6453 yd. |
1.650
ch'ih 1 li (=150 chang) 0.5 km 0.3107 mi |
* Fläche
| Taiwan
System Market System Metrisches System English System |
1
p'ing (tsubo) 0.00496 mu 3.30579 m2 35.5896 sq. ft. |
1
mu (=30 p'ing) 0.14876 mu 0.99174 ar 0.02451 acre |
1
chia (=2,934 p'ing) 14.5488 mu 96.9917 are 2.39672 acres |
| Taiwan
System Market System Metrisches System English System |
1
sq. ch'ih (=100 sq. ts'un) 0.1111 m2 1.196 sq. ft. |
3.361
p'ing 1 sq.chang (=100 sq. ch'ih) 11.1111 m2 13.28888 sq. yd. |
25.7753
chia 1 sq. li (=22,500 sq. chang) 25 Hektar 61.776 acres |
| Taiwan
System Market System Metrisches System English System |
20.1666
p'ing 1 fen (=6 sq. chang) 66.6666 m2 79.7328 sq. yd |
6.72222
mu 1 mu (=10 fen) 6.66667 are 0.16441 acre |
6.8736
chia 1 ch'ing (=100 mu) 6.66667 Hektar 16.441 acres |
* Gewichte
| Taiwan
System Market System Metrisches Sysem English System |
1
ch'ien 0.75 ch'ien 3.75 g 0.12056 oz. |
1
liang (tael) (=10 ch'ien) 0.75 liang 37.5 g 1.2056 oz. |
1
chin (catty) (=16 liang) 1.2 chin 0.6 kg 1.3228 lb. |
| Taiwan
System Market System Metrisches System English System |
1
tan (picul) (=100 chin) 1.2 tan 60 kg 132.277 lb. |
1.3333
ch'ien 1 ch'ien 5 g 0.1764 oz. |
1.3333
liang 1 liang (tael) 9=10 ch'ien) 50 g 1.7637 oz. |
| Taiwan
System Market System Metrisches System English System |
0.8333
chin 1 chin (catty) (=10 liang) 0.5 kg 1.1023 lb. |
0.83333
tan 1 tan (picul) (=100 chin) 50 kg 110.231 lb. |
Taiwan
ist kein Ort, vor dessen Besuch man besondere Befürchtungen hegen müßte. Es
ist überfüllt und es kann einen verwirrenden Eindruck machen, aber eher noch
werden Sie von jedermanns Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft angenehm überrascht
sein.
Im
allgemeinen sind Taiwanesen nicht übermäßig förmlich oder gar leicht
beleidigt. Im Gegenteil sind die meisten mit westlichen Umgangsformen gut
vertraut, so daß ein Besuch in Taiwan keinen Schnellkurs mit einer langen Liste
unbekannter Verhaltensregeln erforderlich machte. Wichtiger ist, immer daran zu
denken, daß man einen großen Vorrat an Lächeln mitbringt. Die Menschen in
Taiwan sind ziemlich gastfreundlich (auch wenn manche schüchtern oder nervös
sein mögen, wenn sie einem Fremden begegnen), und ein freundlicher Ausdruck
wird eine ganze Reihe von Fauxpas wettmachen können.
Taiwanesen
schätzen besonders ausländische Gäste, die neugierig auf ihre Kultur sind.
Mit einem regen Interesse an allem, was chinesisch ist, und an den besonderen
Aspekten des taiwanesischen Lebens werden Sie sich rasch viele zu Freunden
machen.
1.
Kleidung
Taiwanesen
kleiden sich genauso wie Amerikaner und Europäer. Viele achten darauf, immer
ganz dem letzten Chic zu genügen, wie er auf den Laufstegen von Mailand gezeigt
wird. Es ist also nicht nötig, ihren Kimono oder ihre Mao-Kluft mit in den
Reisekoffer zu packen.
Ausgefallene Szene-Kleidung ist hier nicht unbekannt. Es ist schon lange her, daß
man nach Hippies noch den Kopf wandte. Aber wie immer Ihre persönlichen
Kleidervorlieben auch aussehen, eine angenehme Erscheinung wird immer willkommen
sein.
2. Geschäftskleidung
Für
geschäftliche oder offizielle Anlässe gelten fast genau die gleichen
Vorschriften wie im Westen. Die Damen sollten attraktive Kleider, Röcke oder
Hosenanzüge tragen, die Herren eine Krawatte und vor allem gute Lederschuhe. Während
der heißen Monate ist es fast unmöglich, ein Jacket zu tragen, aber bei eher
offiziellen Gelegenheiten sollte man eines dabei haben – und wenn auch nur der
Form halber.
3.
Schuhe
Ziehen
Sie immer Ihre Schuhe aus, wenn Sie jemanden in seiner Wohnung besuchen. Diese
Regel gilt grundsätzlich und überall in Taiwan. Gewöhnlich wird ihr Gastgeber
Sie mit einem Paar Hausschuhen ausstatten. Wenn Sie Gäste in Ihrem Zimmer oder
in Ihrer Wohnung empfangen, wird man es als freundliche Geste empfinden, wenn
Sie extra Hausschuhe bereithalten.
Ziehen
Sie hingegen Ihre Schuhe nicht an öffentlichen Orten aus – es wird außer in
ein paar wenigen Restaurants und Teehäusern mit Tatami-Matten nicht erwartet.
In Taiwan gilt das Tragen von Sandalen oder „Klappern“ als bäuerliche Tracht und deshalb unangemessen proletenhaft. Menschen, die auf ihr Äußeres Wert legen, gehen nicht mit Sandalen in die Stadt, noch weniger zur Arbeit. Allerdings werden sie sie ganz gerne tragen, wenn sie am frühen Morgen zum Markt gehen, um frisches Gemüse zu kaufen. Viele Büchereien und vornehmeren Etablissements erlauben Sandalenträgern nicht einmal den Zutritt zum Gebäude. Andererseits werden Riemensandalen aus Leder, besonders die aus dem Ausland importierten teuren (oder jedenfalls teuer aussehenden) Sandalen immer öfter akzeptiert.
4.
Grüße
Wenn
sich Taiwanesen begegnen, schütteln sie gewöhnlich einander die Hand,
verbeugen sich dabei aber in der Regel nicht, wie es in Korea oder Japan üblich
ist, es sei denn bei hochoffiziellen Gelegenheiten, etwa wenn sie eine
Auszeichnung erhalten oder sich an ein Auditorium wenden.
Überreicht man ein Geschenk, Geld, ein Paket oder ein Dokument, gilt es als höflich, es mit beiden Händen zu übergeben. Diese Geste macht die Gabe zu einem Symbol Ihrer Person.
5.
Fassung bewahren
In
Reiseführern durch Asien ist es ein Gemeinplatz, den Reisenden davor zu warnen,
Ärger zu zeigen – „Asiaten werden niemals in der Öffentlichkeit zornig und
fühlen sich tief verletzt, wenn Sie es tun“. Diese Behauptung gehört ins
Reich der Legende. Ostasiaten haben den gleichen vollen Umfang an Emotionen wie
jeder andere auch. Wenn sie in eine hitzige Auseinandersetzung oder eine
politische Debatte verwickelt sind, bekommen sie mit ziemlicher Sicherheit einen
dicken Hals – genauso wie Sie.
Aber
Reisende, besonders solche, die zum ersten Mal Asien besuchen, sollten sich doch
die Mahnung zu Herzen nehmen, daß die Gefühle von Ärger und Frustration, die
sie vielleicht erfahren müssen, wahrscheinlich aus ihrem Unvertrautsein mit der
Umgebung erwachsen. Sie werden unvermeidlich auf schiebende, drängelnde
Menschenmassen stoßen, auf unordentliche Schlangen, auf eine verwirrende Bürokratie
und auf alle Arten von Zeichenschildern mit schwer zu durchschauenden
Informationen, die auch noch alle in Chinesisch geschrieben sind. Das Gefühl
von Frustration kann gar nicht ausbleiben, schon gar nicht in einer überfüllten
Stadt. Also: werfen Sie nicht die Flinte ins Korn! Das ist normal.
Es
wird Ihnen passieren, daß manche viel Wirbel machen, wenn Sie den Raum
betreten, so als wären Sie von einem anderen Planeten und nicht von einem
anderen Kontinent. Eher häufig als selten ist dies nichts anderes als Ausdruck
des Bemühens darum, Sie möchten sich zu Hause fühlen.
Viele
Taiwanesen werden bei der ersten Begegnung mit Ihnen vermutlich eine Menge
Fragen stellen, von denen Ihnen viele als zu persönlich erscheinen werden im
Vergleich zu dem, was in Ihrer eigenen Kultur noch als zulässig gilt. So wird
man auf Ihr Gehalt zu sprechen kommen, auf den Geldwert Ihres Besitzes, auf
verschiedene, die Mitglieder Ihrer Familie betreffende Details, auf Ihr Alter,
Ihr Sternzeichen, Ihre Blutgruppe und vieles andere. Gewöhnen Sie sich an
solches Befragtwerden – man sieht das als eine Art an, freundlich zu sein. Und
fühlen Sie sich so frei, eine Menge solcher Fragen umgekehrt zu stellen.
Eine
Besonderheit der chinesischen Kultur, die Besucher oft etwas verstört, ist die
soziale Bedeutung des Lachens. Chinesen lachen, wenn sie verlegen sind. Falls
jemandem ein Buch aus der Hand auf Ihren Zeh fällt, so wird er zunächst einmal
wahrscheinlich zu lachen anfangen. Das sollte Sie nicht zu der Schlußfolgerung
verleiten, daß man dies mit Absicht getan und sich auf Ihre Kosten einen üblen
Scherz geleistet hat. Vielmehr wird es dem Betreffenden ganz aufrichtig leid
tun, und er versucht nur, eine peinliche Situation abzumildern.
Verärgerung ist gewöhnlich ein sicheres Zeichen dafür, an eine kulturelle Grenze gelangt zu sein. Lassen Sie sich davon nicht die Stimmung verdüstern – und alle fünfe gerade sein. Erinnern Sie sich auch immer wieder daran, daß angesichts einer doch ernstzunehmenden Sprachbarriere die Erledigung selbst einfacher Aufgaben doch mehr Zeit in Anspruch nimmt, als es zu Hause der Fall wäre. Hängen Sie Ihre Maßstäbe also besser nicht zu hoch und reservieren Sie sich extra eine gewisse Mußezeit, um sich zu verlaufen, sich verwirren zu lassen und Spaß zu haben.
6.
Restaurantbesuch
Obwohl
viele Restaurants westlichen Stils Messer, Gabel und Löffel benutzen, ist das
Besteck der Wahl überall in ganz Taiwan die Eßstäbchen. Falls Sie nicht
wissen, wie Sie damit umgehen sollen, probieren Sie es einfach aus – es ist
leichter, als es aussieht.
Scheuen
Sie sich nicht, ihre Schale beim Essen vom Tisch zu nehmen und unter Ihr Kinn zu
halten; das stellt keine Verletzung der Etikette dar. Knochen können Sie
einfach unter dem Rand Ihres Tellers ablegen; die Kellner werden Sie später
zusammenkehren.
Widerstehen Sie der Versuchung, Ihre Eßstäbchen gleich Trommelstöcken für ein paar rhythmische Takte auf Ihrem Wasserglas zu benutzen – jedes Kind würde sich damit eine tüchtige Portion Schelte von seiner Mutter verdienen.
7.
Trinkgeld
In den besseren Hotels ist es
üblich, dem Hotelboy ein Trinkgeld zu geben. In Restaurants erwartet man im
allgemeinen keine Trinkgelder; falls doch, werden sie automatisch mit auf die
Rechnung gesetzt. An andere Formen, Trinkgelder zu geben, muß man sich in
Taiwan erst noch gewöhnen.
8.
Trinksitten
Schenkt
Ihnen jemand ein Getränk ein, so bedanken Sie sich auf höfliche und diskrete
Weise, indem Sie neben dem Glas dreimal mit dem Mittelfinger auf den Tisch
klopfen. Das ist eine miniaturisierte Form des alten Brauchs, sich bei einem
Ranghöheren durch dreimaliges Verbeugen zu bedanken.
Will
man nach chinesischer Tradition einander zuprosten, so hält man sein Glas mit
beiden Händen hoch und fordert den anderen zum Trinken auf. Die andere Person
hebt ebenfalls sein oder ihr Glas mit beiden Händen, und beide trinken zur
gleichen Zeit, wobei sie einander direkt in die Augen schauen.
Der
typische Trinkspruch in Mandarin lautet kanpei
(„ganbeh“ ausgesprochen), was soviel bedeutet wie „trockne Dein Glas“,
und verlangt von beiden, ihr Glas in einem Zug zu leeren. Das taiwanesische Äquivalent
lautet „Hotala“.
Falls
Sie aber nicht gleich das ganze Glas leeren wollen, können Sie rasch mit den
Worten „suei yi“ erwidern, was
soviel bedeutet wie „ganz zu Ihrem Gefallen“. Dann darf jeder so viel
trinken, wie ihm behagt.
Einander
zuzutrinken kann zu einer Art sportlichem Wettkampf werden, und viele Gastgeber
fühlen sich verpflichtet, bei ihren Gästen einen Zustand völliger Trunkenheit
herzustellen. Wenn Sie Ihre Grenze erreicht haben oder überhaupt nicht trinken
wollen, lehnen Sie einfach genausooft höflich ab, wie Sie aufgefordert werden.
Vielleicht läßt man Sie dann entkommen. Ein guter Entschuldigungsgrund wie zum
Beispiel „ich muß noch fahren“ hilft dabei. Denken Sie immer daran, daß es
vor allem darauf ankommt, ihrem Partner zuzutrinken, um das Band ihrer
Freundschaft zu befestigen. Für diesen Zweck können Sie auch ohne weiteres um
ein nichtalkoholisches Getränk bitten.
9.
Gesicht bewahren
Sie
werden feststellen, daß man darauf besteht, Sie zu Essen und Trinken
einzuladen, Ihnen Geschenke, Speisen und Zigaretten zu geben. Falls Sie dies
verweigern, wird man etwas mehr darauf bestehen. Je mehr Sie verweigern, desto
mehr wird man insistieren. In der Regel werden Sie aufgeben und schließlich
annehmen. (Sofern es um Zigaretten geht, kann man sich dem zunehmend leichter
mit einem einfachen „ich rauche nicht“ entziehen.)
Was
eigentlich bei diesen Ritualen von Insistieren und Verweigern geschieht, ist der
Austausch von „Gesicht“ (mian tze).
Der Gebende ist in jedem Falle derjenige, der wirklich und tatsächlich an
Gesicht gewinnt, und deshalb muß der Empfänger, der eben in keinem Falle an
Gesicht gewinnt, besonders sorgfältig darauf achten, eine Gabe nicht mit allzu
auffälliger Bereitschaft anzunehmen, wenn er nicht an Gesicht verlieren will.
Dieser
Auffassung von Gesicht liegt ein ähnliches Verständnis zugrunde wie dem
„guten Ruf“ im Westen, nur daß es einen weit höheren Wert darstellt. Es
wird erworben durch die Demonstration der Bereitschaft – und der dazu
erforderlichen Mittel – mit anderen zu teilen. Großzügigkeit ist das
essentielle Bestimmungsmerkmal von Gesicht. Und von Freunden Großzügigkeit
(mit der Attitüde höflicher Verweigerung) anzunehmen, ist für Menschen mit
geringeren Mitteln und von geringerem sozialen Status eine Möglichkeit, anderen
etwas wertvolles zu geben.
Das
heißt natürlich, daß Geben in Wirklichkeit Bekommen bedeutet, und wenn man
immer in der Position des Empfangenden ist, wird man auf lange Sicht verlieren.
Deshalb sind Freunde, die sich im Restaurant darüber streiten, wer die Rechnung
begleichen darf, ein so alltäglicher Anblick.
Als „ausländischer Freund“ befinden Sie sich ständig in der Position des Gastes und müssen sicherlich ein oder zwei Essenseinladungen auf sich nehmen. Diejenigen aber, die sich über einen längeren Zeitraum in Taiwan aufhalten, ganz besonders Geschäftsleute, sollten doch einmal über einfallsreiche Mittel nachdenken, die Aufmerksamkeiten ihrer Geschäftsfreunde zu erwidern; sie werden in deren Wertschätzung steigen.
10.
Netzwerke
Ein
Netzwerk persönlicher Verbindungen aufzubauen, war über lange Zeit ein
wesentliches Merkmal chinesischer Lebensart. Grundlage dafür ist kuanhsi
(„guanhsi“ ausgesprochen), was ganz schlicht „Beziehungen“ bedeutet.
Ebenso
wie „Gesicht“ ist kuanhsi ein
wichtiger immaterieller Rohstoff der chinesischen Gesellschaft. Man kann ihn
erwerben, verlieren und vermehren, und er ist absolut unerläßlich, um die
Dinge in Gang zu bringen. Kuanshi ist
ein soziales Band zwischen zwei Menschen, die einen informellen Vertrag über
gegenseitige Hilfe eingegangen sind. Kuanhsi
ist ein Treueverhältnis, das über die Zeit genährt und gestärkt wird. Mit
einem Netzwerk aus kuanhsi
–Beziehungen kann ein Mensch geschäftliche Gelegenheiten zu seinen Gunsten
entwickeln, Tips bekommen und in Notzeiten Hilfe erhalten. Kuanhsi-Beziehungen,
die zeitlich weit zurückreichen, können den Charakter nahezu heiliger
Verpflichtungen annehmen.
Kuanhsi
wird begründet durch gemeinschaftlich geteilte Bindungserfahrungen und bildet
das Herzstück des gemeinsamen Trinkens, Essens und Karaoke-Singens, das eine so
große Rolle in der taiwanesischen Geschäftskultur spielt. Zwei Geschäftsleute,
die daran interessiert sind, einen Handel zu beiderseitigem Nutzen einzugehen, müssen
einander zuerst in kuanshi-stiftenden
Ritualen verpflichten, die die Vertrauensgrundlage für ihre zukünftigen
gemeinsamen Unternehmungen schaffen.
Dieser
Prozeß kann Sie in einen Kreislauf des kuanhsi-bedingten
Geschenkemachens hineinziehen, das für einen beständigen Fluß an Uhren,
Schokolade, Cognac, Handies und so weiter sorgt. Beliebt ist auch das gemeinsame
kuanhsi-Golfspielen.
Manche
Ausländer wird es zunächst befremden, daß chinesische Freunde sich berechtigt
fühlen, auch bestimmte Gefälligkeiten von ihnen zu verlangen. Dabei ist es
dann gut zu wissen, daß Ihre Freunde auch ihre Hilfsverpflichtung Ihnen gegenüber
sehr ernst nehmen.
Die Tradition des kuanhsi hilft, den ansonsten nur beruflichen Beziehungen auch eine persönliche Note hinzuzufügen. Insbesondere wenn Sie Taiwan aus geschäftlichen Gründen besuchen, ist es ganz reizvoll, direkt in das kuanhsi-Spiel hineinzuspringen.
11.
Ehrerbietung gegenüber Älteren
Die chinesische Kultur ist allgemein bekannt für den besonderen Wert, den sie der Ehrerbietung gegenüber Älteren beimißt. Nachdem es dafür keine so formellen Regeln mehr gibt wie in vergangenen Zeiten, wird man Gesten wie das Einschenken eines Getränks, das Aufhalten der Tür oder für eine Zigarette Feuer zu geben sehr beifällig anerkennen. Trifft man auf eine Gruppe von mehreren Personen, so ist es höflich, die älteste zuerst zu grüßen.
12.
Tabus und Aberglaube
Im
chinesischen Volksglauben wimmelt es von speziellen Ge- und Verboten. Die
meisten davon betreffen besondere Zeremonien und Ereignisse, und viele Tabus
haben mit Wortspielen in der chinesischen Sprache zu tun. So wird zum Beispiel
das Wort für „Glück“ genauso wie das Wort für „Fisch“ ausgesprochen,
nämlich yu. Am Neujahrstag wird ein
Fisch gekocht und auf der Festtafel plaziert, aber nicht gegessen – damit die
Familie sich ein ganzes Jahr glücklichen Erfolgs erfreuen kann.
Falls
Sie die Gelegenheit haben, an einem Feiertag oder einem Fest teilzunehmen,
vergewissern Sie sich im vorhinein dessen, was man von Ihnen erwartet.
Im taiwanesischen Alltagsleben ist es wirklich schon sehr schwierig, irgendetwas schrecklich falsch zu machen. Doch seien hier die wichtigsten zu beachtenden Regeln aufgelistet:
(1) Wenn
Sie möchten, daß jemand zu Ihnen kommt, winken Sie ihn nicht mit hochgerecktem
Finger herbei. Das ist unhöflich. Winken Sie ihn mit den Fingern nach unten
herbei, so als ob sie etwas auf sich zu fächern würden. In der gleichen Weise
ruft man ein Taxi herbei.
(2) Wenn
Sie einen Zahnstocher in der Öffentlichkeit benutzen, halten Sie die Hand vor
den Mund.
(3) Falls
Ihnen jemand ein Geschenk überreicht, sollten Sie es nicht vor dem Betreffenden
öffnen.
(4) Überreicht
Ihnen jemand seine Visitenkarte, stecken Sie sie nicht in die Gesäßtasche.
Stecken Sie sie auch nicht in Ihre Brieftasche und dann diese in die Gesäßtasche.
Sie würden damit symbolisch zum Ausdruck bringen, daß Sie auf dem Betreffenden
sitzen möchten! Eine Visitenkarte in die Brieftasche zu stecken und diese dann
in einer vorderen Hosentasche zu verstauen ist dagegen kein Fehler.
(5) Lassen
Sie niemals, wenn Sie eine Mahlzeit beendet haben, Ihre Eßstäbchen im übriggebliebenen
Reis auf dem Boden Ihrer Schale stecken. Das macht man nur vor einem Schrein,
wenn man den Geistern der Vorfahren eine Mahlzeit darreicht. Das gleiche in
einem Restaurant zu tun, würde einen schrecklichen Fluch auf den Besitzer
heraufbeschwören.
(6) Benutzen
Sie für freundlich gemeinte schriftliche Nachrichten keine rote Tinte. Diese
Farbe ist Protestschreiben, Denunziationen und Examenskorrekturen vorbehalten.
(7) Manchmal
blockieren plötzlich und ohne Vorwarnung Begräbnis-, Hochzeits- oder religiöse
Zeremonien bzw. Umzüge eine ganze Straße. Auch wenn sie Ihnen den Weg
versperren, ist es nicht ratsam, durch eine solche Versammlung hindurchzugehen.
(8) Wenn
Sie gerade erst jemanden kennengelernt haben, und es beginnt zu regnen, Ihre
neue Bekanntschaft hat aber keinen Regenschirm dabei, wäre es ein unglücklicher
Rat, ihr einen Regenschirm für den Weg nach Hause mitzugeben – ein sicheres
Omen, daß Sie sich niemals wieder sehen werden. (Das chinesische Wort für
„Regenschirm“ – san – ist
klanggleich dem Wort für „auseinandergehen“.) Das ist besonders wichtig für
Paare, die die ersten paar Mal miteinander ausgehen. Wenn Sie Ihren neuen Freund
oder Ihre neue Freundin mögen, nehmen Sie sich die Zeit, ihn oder sie mit dem
Regenschirm zur Bushaltestelle oder zum Taxi zu begleiten.
(9) Schenken
Sie niemandem eine Wanduhr oder einen Wecker. Der Satz „eine Uhr geben“
klingt genauso wie „einem Begräbnis beiwohnen“ – und das hört sich sehr
unheilvoll an. Eine Armbanduhr zu schenken ist in Ordnung.
(10)Ebenso sollte man kein Taschentuch verschenken. Da es sich um etwas handelt, das auch zum Wegwischen von Tränen benutzt wird, wird es dem Beschenkten unweigerlich irgendeine Art von Unglück bringen, das die Ursache von Tränen ist. Aber machen Sie sich keine zu großen Sorgen. Falls Sie aus Versehen ein unglückliches Geschenk machen, kann der Fluch davon genommen werden, wenn Ihnen der Empfänger eine Münze als symbolische Werterstattung gibt – dann nämlich wird es technisch ein Kaufobjekt anstatt eines Geschenks.
Die
große Mehrheit der in Taiwan lebenden Menschen sind, ethnisch gesehen,
Chinesen. Die meisten sind Abkömmlinge von Immigranten aus der Provinz Fujian
auf dem chinesischen Festland. Aber
auch aus allen übrigen Teilen Chinas kam nach dem zweiten Weltkrieg eine große
Zahl an Menschen nach Taiwan. Daneben gibt es noch die recht große Minorität
der Hakka.
1. Sprachen
Mandarin-Chinesisch
ist Taiwans Amtssprache in Regierung und Verwaltung, im Erziehungs- und
Bildungswesen und in den Medien. Es ist ebenso wie in Festlandchina überall in
Taiwan weit verbreitet, egal wohin Sie reisen. Es ist der Dialekt, in dem Sie
die chinesische Schriftsprache erlernen, und es ist der Dialekt, den die meisten
ausländischen Studenten lernen.
Taiwanesisch – der Dialekt der Provinz Fujian – wird von der Mehrheit der Bevölkerung als Muttersprache gesprochen. Lange Zeit galt es als die „Sprache der Straße“, wird aber in zunehmendem Maße in den Medien und in der Geschäftswelt favorisiert. Auch der Hakka-Dialekt wird von einer nicht unbeträchtlichen Minorität gesprochen.
2.
Ureinwohner
Verschiedene, zur austronesischen Sprachfamilie gehörende Sprachen werden auch
von Taiwans Ureinwohnern gesprochen, die mit der Sprachzugehörigkeit auch viele Sitten und Gebräuche mit anderen
Eingeborenengruppen Südostasiens teilt. Wenigstens eine Gruppe, die der Yami
auf Orchideen Insel, einer kleinen
Insel vor Taiwans Südostküste, kann direkt bis zu den Batan-Inseln bei den
Philippinen zurückverfolgt werden, wo heute noch Angehörige dieser ethnischen
Gruppe leben.
Die
meisten der in den Ebenen lebenden Ureinwohner wurden von der heute in Taiwan
vorherrschenden Kultur assimiliert, die Ureinwohner der Gebirgsgegenden dagegen
haben es verstanden, viel von ihrer ursprünglichen Identität und ihren alten
Sitten zu bewahren. Im ganzen gibt es neun größere Stämme, deren traditionell
überlieferte Künste im Weben, in Gesang und Tanz in geradezu außerordentlichem
Maße im Taiwan der Gegenwart beliebt geworden sind – ein Zeichen für das
starke Interesse an der Kultur der Ureinwohner.
Alle Bevölkerungsgruppen sprechen nach wie vor ihre eigenen Sprachen, von denen viele entweder auf der Grundlage des römischen Alphabets oder der phonetischen Symbole des Mandarin in Schriftform übertragen wurden. Aber da die Sprachen der Ureinwohner sogar von Dorf zu Dorf Unterschiede aufweisen, werden Anthropologen und andere, die eine genaue Kenntnis der taiwanesischen Ureinwohnerkultur anstreben, auch in Zukunft nicht darum herum kommen, Mandarin als hilfreiche Sprachbrücke zu erlernen.
3.Familie
Der
Grundstein der chinesischen Gesellschaft war über lange Zeit die Großfamilie.
Familien lebten traditioneller Weise in großen eingefriedeten Hausstätten mit
Innenhöfen, so daß selbst der Platz „vor der Haustür“ innerhalb der
Mauern lag, hinter denen drei, vier oder mehr Generationen unter demselben
weiten Dach zusammenlebten.
Die
Zeiten haben sich geändert, und der größte Teil der taiwanesischen Bevölkerung
lebt heute in der Stadt, wo eine Drei-Zimmer-Wohnung die Norm ist. Das
Familienheim alten Stils mit zwanzig Personen, dazu noch Hühnern und Schweinen,
kann heute nicht mehr aufrechterhalten werden. Die moderne taiwanesische
Durchschnittsfamilie hat fünf oder sechs Mitglieder.
Doch
ist das Familienideal in bemerkenswerter Weise intakt geblieben: die jüngste
Generation erfüllt das Haus mit Energie und Freude, die erwachsenen Kinder
tragen mit Geschäftssinn und Erwerbsfleiß Sorge für den Haushalt und seine
weltlich-praktischen Angelegenheiten und die ältere Generation erfreut sich des
Glanzes ihrer goldenen Jahre inmitten ihrer zahlreichen Enkelkinder. Die in der
Familie begründeten Beziehungen vieler Generationen untereinander bilden immer
noch das Rückgrat der taiwanesischen Gesellschaft.
Heute
neigt man in Taiwan dazu, später zu heiraten, als dies früher der Fall war,
nachdem an die Stelle der traditionellen Heiratspolitik die freie Partnerwahl
westlichen Stils getreten ist.
Das
durchschnittliche taiwanesische Heim hat eine Grundfläche von ungefähr 130 qm
und ist damit um etwa 65% größer als noch vor 40 Jahren, und trotz der extrem
hohen Grundstückspreise besitzen heute mehr Menschen ein Eigenheim als jemals
zuvor. Die Standardausstattung eines Haushalts schließt einen Fernseher,
Telephon, eine Klimaanlage und ein Motorrad ein.
4.
Arbeit und Ausbildung
Die
Taiwanesen sind bekannt für ihre fleißige Lebenshaltung. Die „Pauk- und Büffel-Ethik“
setzt schon früh ein, so daß viele Kinder im Vorschulalter in Musik und
Englisch gedrillt werden, bevor sie überhaupt eine Schule betreten.
Grundschüler
hangeln sich durch einen äußerst gründlichen und erschöpfenden Unterricht während
der regulären Schulstunden, nur um dann zu Paukstudios zu marschieren, in denen
sie zusätzlich zu dem vom Lehrplan vorgesehenen Stoff noch mehr Englisch,
Musik, Mathematik und all die anderen Fächer vertiefen, in denen sie geprüft
werden könnten. Endlich haben sie am Abend frei, um dann zu Hause ihre
Hausarbeiten erledigen zu können.
Dieses
„Paukleben“ erreicht seinen Höhepunkt in der Junior High School, wenn die
jungen Teenies die härtesten Tests auf sich nehmen, um in die besten High
Schools aufgenommen zu werden. Das gleiche wiederholt sich am Ende der High
School, wenn sie miteinander um die wenigen kostbaren Plätze an den besten
Universitäten wetteifern.
Nach
der Universität kommt die Graduate School, die von einem beeindruckenden
Prozentsatz der Bevölkerung besucht wird. Wann immer die Studenten schließlich
ihren Abschluß machen – eine Karriere bleibt nicht lange aus. Dauerhafte
Berufsfavoriten sind der Elektroingenieur, der Computerprogrammierer und der
Geschäftsmann.
Damit
beginnt ein langfristiger Lebensstil des „arbeite viel, spare viel“. Geld
wird beharrlich gespart für den unvermeidlichen Tag, an dem man die für das
ganze Leben bedeutsamen Anschaffungen machen muß. Beliebt sind Aktien und
Schatzbriefe, aber
das eigentliche Ziel sind natürlich die „Drei Großen Erwerbungen“ – ein
Haus, ein Auto und ein Sohn (im Chinesischen „fangtze,
chetze, ertze“
5.
Die heitere Seite des Lebens
Gegen
den beständig gleichbleibenden, ernsten Trommelschlag des Erwerbs- und
Erfolgszwangs läßt sich aber auch ein Kontrapunkt der Entspannung und des
Abschaltens vom tobenden Großstadttempo vernehmen. Wenn Sie sich wirklich
einmal über einen langen Zeitraum in Taiwan aufhalten, werden Sie unterhalb der
fiebrigen Geschäftigkeit eine überraschend große Zahl an Künstlern,
Musikern, Lebenskünstlern, buddhistischen Mönchen und Nonnen und anderen
Menschen entdecken, die sich alternativen Lebensformen verschrieben haben.
Vielleicht
entdecken Sie gleich neben dem gestressten Schreibtischarbeiter, der nervös auf
seine Rolex schaut, eine Gruppe alter Männer, die im Park Chinesisches Schach
spielt, oder ein paar Freunde, die sich einen Nachmittag frei genommen haben, um
im nahegelegenen überdachten Teich Shrimps zu fischen.
Außerhalb
der geschäftigen Städte freilich verlangsamt sich das Leben enorm. Auf dem
Land verliert man sich ganz leicht in einer Welt von Reisfeldern, Palmen und trägen
Nachmittagen an schattigen Plätzen.
Genauso
intensiv wie seiner Arbeit widmet sich der Durchschnittstaiwanese Spaß und
Zerstreuung. Die Taiwanesen sind verrückt nach Spielfilmen und tun sich gern
mit ihrer Pro-Kopfrate bei Kinobesuchen als einer der höchsten auf diesem
Planeten hervor.
Baseball
ist in Taiwan der Sport, der am höchsten in der Zuschauergunst steht. Die
Nationalmannschaft hat eine vollgepackte Spielzeit und Tausende von fanatischen
Anhängern. Golf rangiert natürlich auch weit oben. Überall auf der Insel gibt
es Golfbahnen und Übungsplätze, und häufig finden professionelle Turniere
statt.
Auch
die traditionellen Kampfsportarten werden in breitem Umfang praktiziert und
umfassen dabei die mehr therapeutischen Formen wie Tai Chi Chuan und Qi Gong
ebenso wie die eher harten Schulen wie Taekwondo und chinesisches Boxen.
1.
Information
Nachrichten
über die Welt außerhalb Taiwans erhält man an jedem beliebigen Ort, zum großen
Teil allerdings in chinesischer Sprache. Eine ganze Reihe von
Kabelnetzbetreibern überzieht die Insel, die fast alle englisch-sprachige Kanäle
anbieten, einschließlich CNN. Ebenfalls hat Taiwan jede Menge Internetanschlüsse,
um Sie jederzeit auf dem laufenden zu halten.
Taiwan
hat drei englisch-sprachige Zeitungen: die Taiwan
News, die Taipeh Times und die China
Post. Obwohl jede ihre eigene, besondere redaktionelle Sichtweise hat,
liefern alle eine zuverlässige Berichterstattung über internationale und inländische
Nachrichten und lokale Ereignisse.
Die
Radiostation ICRT (International Community Radio Taiwan) ist eine gute Quelle
englisch-sprachiger Nachrichten.
2.
Auswärts essen
Taiwanesen legen großen Wert
auf gutes Essen, und so kann man sich fast überall, wohin man geht, von einer
astronomischen Zahl gastronomischer Angebote aufhalten lassen.
In den jüngst vergangenen Jahren hat Taiwan einen nach Zahl und Vielfalt
dramatischen Zuwachs an Restaurants westlichen Stils erlebt, daß ausländische
Besucher geradezu verlockt werden, sich die Genüsse der einheimischen Küche
entgehen zu lassen. Auch wenn Sie von der italienischen bis zur Cajunküche
einfach alles finden, darunter eine ganze Menge japanischer, koreanischer und südostasiatischer
Eßlokale, sollten Sie keine Hemmungen haben, die reiche Vielfalt chinesischer Küche
und ihrer Zubereitungsmethoden mit der eigenen Zunge zu erforschen.
Auf
den Speisekarten vieler Restaurants finden sich englische Übersetzungen, doch
bietet eine guter Teil davon mehr Anlaß, sich darüber lustig zu machen, als
eine echte Hilfe. Es gibt auch Speisekarten, die Bilder enthalten, und es einem
tatsächlich etwas leichter machen. Aber nichts ersetzt das Chinesische – also
bringen Sie einen chinesischen Freund mit oder verlassen Sie sich auf die
Barmherzigkeit ihres Kellners. Vor allem aber: kosten Sie sich durch!
Beginnen
Sie mit einem traditionellen chinesischen Frühstück, das Sie auf keinen Fall
auslassen sollten. Dampfend heiße Sojamilch, Eierkuchen und eine reiches
Sortiment an warmen gefüllten Teigtaschen bilden das Entrée für den Tag. Am
Abend können Sie dann die Nachtmärkte mit ihrem Überfluß an exotischen Genüssen
testen. Sie brauchen keine Bedenken zu haben, auf der Straße zu essen – aber
Rücksicht auf Magen und Darm ist doch angeraten.
Einer
der ersten und wichtigen gastronomischen Ausflüge muß in einer Portion
einheimischer taiwanesischer Speisen bestehen, für die (was nicht überrascht)
Seefische und Meeresfrüchte, darunter Austern als die Attraktion schlechthin,
und eine unüberschaubare Vielzahl an Suppen charakteristisch sind.
Gerichte aus anderen Teilen der chinesischen Welt sind genauso zu haben. Wenn Sie scharf gewürzte, pikante Erfahrungen machen wollen, müssen Sie die Szechuan-Küche ausprobieren. Kantonesische Dim Sum sind ein Muß genau wie die Teigklöße auf Pekjinger Art. Außerdem wird in Taiwan eine unendliche Zahl an Curries, Steaks, Fisch und anderen chinesischen Gerichten serviert, die jeder regionalen Zuordnung widerstehen.
3.
Wohnen
Wie
das für jeden anderen Ort auch gilt, ist die richtige Umgebung der Schlüssel
dafür, sich bei einem längerfristigen Aufenthalt wirklich wohlzufühlen.
Im
bevölkerungsreichen Taiwan dominieren Appartement-Hochhäuser das Bild der Städte,
während freistehende Häuser ein Privileg der extrem Wohlhabenden sind. Ein
durchschnittliche Wohnung in Taipeh hat 115 qm.
Die
Grundstückspreise können, besonders in Taipeh, recht hoch sein – eine
Durchschnittswohnung kostet 267.000,- US$ oder durchschnittlich 215 US$ pro
Quadratmeter. Bei einer Tilgungsrate von ungefähr 9000,- US$ pro Jahr braucht
eine Familie in Taipeh oft bis zu 30 Jahren, um ihre Wohnung abzuzahlen.
Obwohl
etwa drei Viertel der Einwohner von Taipeh in eigenen Wohnungen lebt, sind doch
viele Familien gezwungen, zur Miete zu wohnen. Bei einem in Taipeh
durchschnittlichen Haushaltseinkommen von um die 3000,- US$ geben sie für die
Miete annähernd 600,- US$ oder etwa ein Fünftel ihres Einkommens aus.
Menschen
aus dem Westen mag dieser ganze Vorgang, den richtigen Platz zum Leben zu
finden, komplizierter und zeitraubender erscheinen, als sie es gewohnt sind, da
das Geschäft in Chinesisch abgewickelt wird. Aber ein bißchen vorausschauendes
Planen und ein kleines Extra an Geduld sind alles, dessen es bedarf.
Nach
bestimmten Merkmalen geordnete Zeitungsrubriken und das Schwarze Brett in der Nachbarschaft
informieren schon sehr umfassend über Miet- oder Eigentumswohnungen. Trotzdem
gibt es eine ganze Industrie an Immobilienmaklern, und sehr häufig gelangt man
an die wirklich guten Wohnungen nur durch sie. Sollten Sie ein repräsentatives
freistehendes Einzelhaus sollten mieten wollen, kommen Sie um einen Makler nicht
herum. Allgemein gesprochen beträgt die Maklergebühr eine halbe Monatsmiete
(der Vermieter wird mit der anderen Hälfte zur Kasse gebeten).
Im Falle einer Vertragsunterzeichnung wird regelmäßig eine Kaution als Sicherheit verlangt, die zwischen zwei und vier Monatsmieten liegen kann. Zusätzlich wird für den Fall vorzeitiger Beendigung des Mietverhältnisses eine Strafgebühr festgelegt; vergewissern Sie sich über deren Höhe. Verträge werden fast immer in Chinesisch ausgefertigt. Nehmen Sie also einen Freund mit, der Chinesisch lesen kann, und sehen Sie zu, daß Sie auch wirklich verstehen, was Sie dann unterschreiben sollen!
4.
Transport
In
Taiwan herumzureisen kann anfänglich eine verwirrende Aufgabe sein. Die meisten
Straßenschilder sind zwar sowohl in Chinesisch wie in englischer Umschrift
geschrieben, doch hilft das nicht unbedingt weiter, nachdem viele Worte im
Chinesischen selbst sehr verschieden klingen können, die Wiedergabe im
Englischen aber sehr ähnlich ausgesprochen wird. Trotzdem wird es für Sie
irgendwann, da die Straßen aller größeren Städte in Taiwan gewöhnlich nach
einem ganz regelmäßigen Gittermuster angelegt sind, einfach sein, sich
zurechtzufinden, wenn Sie sich erst einmal zu orientieren gelernt haben.
Die
Innenstadt Taipehs ist in vier Quadrate – Nord, Süd, Ost und West –
eingeteilt. Der Name jeder größeren Straße wird Ihnen sagen, in welchem
dieser Quadrate Sie sich befinden (zum Beispiel Minsheng East Road). Straßennamen
haben oft Bezug zu Tugenden, die in der konfuzianischen Philosophie gepriesen
werden, oder zu alten Grenzmarken, politischen Persönlichkeiten oder größeren
geographischen Gebieten in China.
Das
Massen-Schnell-Verkehrs-System („Mass Rapid Transit System“) (MRT) macht es
heute leichter als je zuvor, sich durch die Innenstadt zu bewegen. Aber für
viele andere über die ganze Insel verstreut liegende Ansiedlungen ist das
allgegenwärtige Transportmittel der Bus. Unglücklicherweise stellen die Busse
das am härtesten zu entschlüsselnde System dar. Aber wenn man erst einmal den
Code geknackt und herausgefunden hat, welche Linie wohin fährt, dann kann man
mit ihnen auf die billigste und bequemste Weise herumkommen.
Wenn
Sie beim Warten auf den Bus die Geduld verlieren, können Sie rasch ein Taxi
herbeiwinken. In jeder größeren Stadt wimmelt es nur so von Taxis, die mit maßvollen
Preisen ein erschwingliches Beförderungsmittel sind.
Wenn
Sie beabsichtigen, die ganze Insel zu erforschen, oder während ihres
Aufenthalts einfach ein wenig herumfahren wollen, stehen an vielen Orten
Mietwagenfirmen zur Verfügung. Falls Sie allerdings eine größere Zahl an
Orten in Taiwan besuchen wollen, dabei aber nicht vorhaben, allzu weit von den
üblichen Wegen abzuschweifen, ist dafür die schnellste und bequemste Methode
die einheimische Fluglinie. Flüge gibt es von und nach allen Städten in
Taiwan, und einen Platz bekommt man gewöhnlich innerhalb einer Stunde.
Falls
Sie über einen längeren Zeitraum bleiben, sollten Sie vielleicht die
Anschaffung eines eigenen Fahrzeugs in Betracht ziehen. Sollten Sie dabei an den
Erwerb eines Gebrauchtwagens denken, gilt hier wie überall – caveat emptor
(der Käufer möge Vorsicht walten lassen). Berücksichtigen Sie auch, daß
Scharen von Autoherstellern in einem heißen Verkaufswettbewerb mit neuen Autos
stehen, und man von Vertragshändlern häufig günstige Angebote bekommen kann.
Taiwan
hat auch eine einheimische Automarke, den Yueloong. Aber auch viele japanische,
amerikanische und europäische Modelle sind heute in Wirklichkeit „made in
Taiwan“. Wenn möglich, kauft man am besten ein solches in Taiwan
hergestelltes Modell – dies ist der wichtigste Bestimmungsfaktor für den
Preis und die Lieferbarkeit von Ersatzteilen.
Mag
die Fahrt im eigenen Wagen die komfortabelste Art des Reisens sein, so empfinden
doch manche Menschen die Parkplatzsuche als die lästigste Art sich zu ärgern.
Um Geschäftsstraßen in Innenstadtbereichen auf der Suche nach diesem so schwer
zu erhaschenden Fleckchen Bordsteinkante eine Stunde oder mehr herumzukurven,
ist ein absolut alltägliches Vorkommnis in Taiwan, deshalb sollten Sie es sich
zweimal überlegen, bevor Sie das Geld für einen Wagen auf den Tisch legen.
Viele
ausländische Besucher entscheiden sich für die Wahl eines Motorrads oder
Motorrollers, die unendlich bequemer zu parken sind. Aber auch sie haben ihre
Schattenseite, denn Taiwan ist ja gut bekannt für seine überreichlichen
Regenmengen.
Neue
und gebrauchte Motorräder gibt es in den vielen Fachgeschäften in jeder Stadt.
Wie bei der Wohnungssuche werden Verhandlungen und schriftlicher Vertragsabschluß
in chinesischer Sprache gehalten sein, weshalb man einen Chinesisch sprechenden
Freund mitnehmen sollte. Einige Leute wurden auch schon betrogen, indem ihnen
gestohlenen Fahrzeuge verkauft wurden, so daß Sie sich besser doppelt
vorsichtig der Richtigkeit von Fahrzeugbrief, Fahrzeugnummer und
Zulassungspapieren vergewissern.
Der
Erwerb eines Autos oder Motorrads in Taiwan erfordert den Nachweis einer
Aufenthaltsberechtigung als Ausländer. Und wenn Sie sich dazu entschließen,
Motorrad oder Motorroller zu fahren, dann geben Sie auch gleich etwas Geld mehr
aus für eine Regenschutz-Ausrüstung in Top-Qualität und einen erstklassigen
Helm.
Falls
eines ihrer Freizeitvergnügen darin besteht, Eltern zu sein, werden Sie das in
Taiwan als eine größere Herausforderung als andernorts erleben.
Kinderschaukeln im Hinterhof sind auf dieser überfüllten Insel kostbare
Einzelstücke. Deshalb wird die Schule ein um so bedeutsamerer Teil des sozialen
Lebens ihres Kindes und seiner Freizeitgestaltung.
Man
findet hier eine beträchtliche Zahl an Vorschuleinrichtungen, Kindergärten und
Tagesstätten. Die Bandbreite reicht von nach freiem Belieben gestalteten
Spielstätten bis zu hochgradig durchgegliederten Akademien, die Kinder bereits
in das intensive schulische Leben einführen, das sie in der Grundschule
erwartet.
Die
meisten Vorschulen halten ihren Unterricht in chinesischer Sprache, doch halten
ihn viele private Schulen, besonders in Taipeh auch in Englisch oder einer
anderen Fremdsprache. (Viele Vorschulen, die damit werben, „amerikanisch“
oder „englisch“ zu sein, sind in Wirklichkeit chinesisch-sprachige Schulen,
die gelegentlich Klassen mit Englisch als Fremdsprache einrichten.)
Taiwans
öffentliche Schulen erlauben heute, daß auch ausländische Bürger ihre Kinder
für die Grund- und Hauptschulerziehung einschreiben – eine Wahlmöglichkeit,
von der in zunehmendem Maße gern Gebrauch gemacht wird, insbesondere seitens
der Familien zurückkehrender Überseechinesen und für Kinder aus Mischehen.
Darüber
hinaus gibt es eine Reihe Schulen, die sich auf fremdsprachige Erziehung
spezialisiert haben. Ganz unabhängig von der Kultur ihrer Herkunftsländer
lassen sich fast unausweichlich viele Expatriierte mit Kindern in den nördlichen
Distrikten Taipehs, in Tienmu oder Yangmingshan, nieder, wo man die Mehrzahl der
besten Schulen findet.
Die
Taipeh American School in Tienmu ist entschieden die größte und am besten
ausgebaute Schule der Insel mit einem großen Campus und einem breit gefächerten,
von amerikanischen Universitäten anerkannten, englisch-sprachigen Lehrplan.
Ebenfalls
in Tienmu gibt es die Taipeh Japanese
School, die für die an Größe recht beträchtliche japanische Gemeinde in
diesem Viertel Unterricht in japanischen Schulfächern anbietet.
Auf
dem im nahen Yangmingshan gelegenen Taipeh
European Schools Campus teilen sich drei Schulen das Schulgelände, die Einrichtungen und Verkehrsmittel. Die
Taipeh British School unterrichtet
nach dem in England üblichen Lehrplan, während die Ecole
Francaise de Taipeh nach französischem Programm lehrt, und die Deutsche
Schule Taipeh Unterricht in Deutsch anbietet. Alle drei Lehrprogramme werden
in den jeweiligen Heimatländern anerkannt.
Die Yangmingshan Christian School, eng
verbunden mit dem Taiwan Adventist Hospital, bietet dem Standard der Junior High
School entsprechenden Unterricht an.
Außerhalb
dieser „Fremdkonzession“ bietet die Dominican
International School einen katholischen, auf dem amerikanischen
Schullehrplan aufbauenden Unterricht an. Ergänzend unterrichtet die christlich
orientierte Morrison Academy nach dem
amerikanischen Lehrplan in eigenen Schulen in Taipeh, Taichung und Kaohsiung.
Die Lincoln American School im
Landkreis Taichung bietet Unterricht vom Kindergarten an bis einschließlich zur
High School.
Quelle:
Taipeh Vertretung in der
Bundesrepublik Deutschland
Markgrafenstrasse 35, 10117 Berlin
Tel.: (030) 203610 Fax: (030) 20361101
Stand: April 2005